Wind, Schiffe und Mantras

Das neue Jahr hat längst begonnen und viele Menschen haben das Gefühl, als würde das Jahr bereits sehr lange dauern. Dabei haben wir gerade Februar und stecken noch in den Wintermonaten. Es gibt noch zehn Monate, die in diesem Jahr „geplant“ sind. Wir könnten uns also noch einiges für das gesamte Jahr vornehmen.

Menschen, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich gerne plane. Zugegeben – ich weiß nie, ob meine Pläne in Erfüllung gehen, aber ich plane lieber meine Ziele, bevor ich wie ein verlassenes Schiff durch die Winde hin und her gezerrt werde. Ich habe eine besondere Vorliebe für das Zitat von Seneca, der einmal gesagt hat: „Wer keinen Hafen kennt, für den ist kein Wind der richtige.“

Wenn ich ein Ziel habe, d.h. den sprichwörtlichen „Hafen“, werde ich auf meinem Weg Entscheidungen treffen, die mich eher zum Ziel bringen. Ohne Ziel gehe ich im Leben los, ohne zu wissen, was ich wirklich erreichen will. Ich möchte niemandem abraten, so zu handeln. Viele sind im Leben lieber spontan und lassen sich überraschen, was dabei rauskommt. Es ist sogar empfehlenswert, ab und zu ziellos zu sein. Das bin ich manchmal auch und zwar im Urlaub. Ich lebe dann in den Tag hinein und träume vor mich hin. Dabei entstehen jedoch manche meiner guten Pläne, die später umgesetzt werden, wenn ich aus dem Urlaub zurück bin. Die Urlaubszeit ist dadurch eine gute und regenerative, aber auch kreative Zeit.

Wenn wir allerdings auf das ganze Jahr schauen, so wäre es vielleicht doch gut, einen Sinn und Zweck bzw. ein Ziel zu haben, was wir dieses Jahr gerne erreichen möchten. Nun ist es so, dass Vorsätze – wie wir alle wissen – eine sehr kurze Haltbarkeit haben. Sie werden Anfang des Jahres festgelegt und dann schnell wieder verworfen. Das hat einen guten Grund: Unser Gehirn mag keine Veränderungen. Sie können „gefährlich“ für unsere innere Balance sein. Und jeder Vorsatz, sich ab sofort anders zu verhalten, kann für unser Gehirn zunächst bedrohlich klingen. Auch dann, wenn wir uns beispielsweise vornehmen, „mehr Sport zu machen“. Deshalb plädiere ich eher dafür, dass wir uns im Jahr etwas wünschen. Ein Wunsch klingt für unser Gehirn nach etwas Positivem. Und solche Wünsche könnte sich jede/r selbst sagen, aufschreiben oder anderen mitteilen, um eine höhere Verbundenheit und innere Verpflichtung zu erreichen, oder…

….eben, was noch?

Wie können wir eigene Wünsche, die wir uns selbst gegenüber haben, anders verpacken, damit sie wirksam werden?

Vor Kurzem habe ich eine ganz einfache Idee gefunden, die von William Arruda stammt. Er ist ein Marketingexperte, der mittlerweile sehr bekannt ist und bereits für viele große Firmen gearbeitet hat, um deren Marketingkampagnen zu entwickeln. Er empfiehlt, die Wünsche in Form von Mantras zu formulieren.

Sie fragen sich vielleicht – wieso „Mantras“? Was haben sie mit unseren Wünschen zu tun? Und was sind „Mantras“?

In Wikipedia, aber auch bei anderen Quellen finden wir sehr ähnliche Definitionen:

„Mantras sind heilige Silben, Worte oder ganze Sätze, die wiederholt gesprochen, gesungen, geflüstert oder in Gedanken rezitiert werden. Seit Jahrtausenden dienen sie dem Gebet, der Meditation und der Erkenntnis. Als praktische Methode, um den Geist zu stabilisieren und zu beruhigen, sind sie bis heute ein wichtiger Teil des Yoga.“

(Quelle: https://www.yogaeasy.de/artikel/die-fuenf-wichtigsten-mantras)

Oder:

„Mantren als Mittel der Meditation, wie zum Beispiel im Vajrayana-Buddhismus (Stichwort Mantrayana), dienen der Wortbedeutung nach folglich dazu, den Geist respektive das Denken zu schützen – und zwar vor schädlichen Vorstellungen und Konzepten. Die Idealvorstellung ist also, dass während das Mantra rezitiert wird, sich der Geist an die positiven Inhalte der Worte des Mantras bindet und somit nicht mit anderen, d. h. negativen Gedanken beschäftigen kann.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mantra)

Der Sinn eines Mantras besteht nach diesen Definitionen offensichtlich darin, den Geist zu stabilisieren, beruhigen und den Geist an die positiven Inhalte der Worte des Mantras zu binden.

Gerald Hüther, einer der bekanntesten Neurobiologen in Deutschland, erklärt in diversen Publikationen immer wieder, dass unser Gehirn eine hohe Plastizität besitzt. Das bedeutet, dass wir enormen Einfluss auf unser Gehirn und wie wir denken und handeln haben können. Mantras sind dafür ein gutes Beispiel, wie wir vorgehen können, um unsere Wünsche im Gehirn zu stabilisieren und uns selbst an die positiven Inhalte eines Mantras zu binden. Im Falle eines Wunsches ist das, finde ich, ein großartiger Gedanke.

Es kann uns offensichtlich helfen, einen eigenen Wunsch für das ganze Jahr umzusetzen, indem wir ihn in Form eines Mantras formulieren und (was entscheidend ist) ihn in Gedanken immer wieder zu wiederholen – „mantramäßig“ eben.

Wie können wir unsere Wünsche (anstatt Vorsätze) in Form eines Mantras formulieren?

Das ist denkbar einfach, weil Mantras schlicht sein sollen, um eine Wirkung im Gehirn zu entfalten. Anstatt sich etwa zu sagen „Ich wünsche mir, dass ich mehr Sport jede Woche mache“, könnten wir ein Mantra formulieren „Dreimal Sport in der Woche.“

Anstatt „Ich wünsche mir, dass ich mich in diesem Jahr gesünder ernähre.“ sage ich mir immer wieder „Gesunde Ernährung jeden Tag.“

 

Ich persönlich habe auch ein Mantra für dieses Jahr entwickelt. Es ist mein Wunsch, dass ich mehr Zeit im Leben fürs Lesen einplane. Mein Mantra für dieses Jahr heißt somit „Täglich lesen“.

Die Mantras sollen kurz, prägnant und einfach zu wiederholen sein, was wir auch tun sollen. Der Erfolg liegt in der Wiederholung – immer wieder und immer wieder. „Mantramäßig eben“. So wird unser Gehirn neue neuronale Pfade entwickeln, ohne dagegen vorzugehen. Aus diesen Gedanken entsteht eine Handlung und genau das ist das Ziel, was wir erreichen möchten: Änderungen in unserem Verhalten und in unseren Gewohnheiten.

Und hoffentlich werde ich die Änderung meines Verhaltens durch mein Mantra erreichen und Sie auch, falls Sie den Versuch starten und den Weg gehen möchten.

Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Bleiben Sie dabei gesund, neugierig und bleiben Sie uns mit Ihrem Interesse an neuen Themen und Perspektiven stets erhalten.

Ludwika